
Eine ärgerliche Fehlinvestition - Dieses Buch preist sich in seinem Werbetext als Einstiegslektüre für Neulinge im Rennradsport an. Genau in dieses Zielgruppenraster passe ich - und wurde bei der Lektüre doch restlos enttäuscht, weil ich so gar nichts Neues oder gar praktisch Nutzbringendes daraus erfahren konnte. Mit seinen 158 großformatigen, durchgehend farbig bebilderten Seiten kommt es durchaus attraktiv daher. Dem Text merkt man an vielen Stellen an, dass es eine Übersetzung ist, die inhaltlich nicht an deutsche Verhältnisse angepasst wurde. Sprachlich und stilistisch herrscht Beliebigkeit: Offensichtlich steht der Original-Text in der angelsächsischen Tradition, in keinem Punkt angreifbar sein zu wollen und daher jede, aber auch wirklich jede Aussage sofort wieder einzuschränken, zu relativieren und zu verwässern. Schlimmer aber ist noch, dass einige Passagen an Plattheit nicht zu überbieten sind. Beispiel gefällig? Ein einfaches Stadtrad kann günstig sein, ein Rennrad kann eine erhebliche Summe kosten. Der Preis hängt ab vom Komponentenmix und zudem vom Anteil der importierten Teile am Rad der Wahl. Er hängt auch vom verwendeten Material [zum Beispiel Titan oder Aluminium] oder vom Herstellungsprozess ab. Aha. Man hoffe aber nicht, dass diesen tiefschürfenden Ausführungen nun eine Kaufhilfe folgt, etwa worauf man als Anfänger bei einem begrenzten Budget nun besonderen Wert legen sollte und welche Investitionen auch auf später verschoben werden können. Da bleibt man der Beratung oder Fehlberatung des Fach(?)handels ausgeliefert. Nun gut, wenn Produktkunde und Kaufberatung keine Stärken des Buches sind (bzw. eingedenk seiner Herkunft auch nicht sein können), wie sieht es dann mit anderen wesentlichen Themen wie z.B. Fahrtechnik oder Training aus? Zur Fahrtechnik findet man kaum wirklich verwertbare Aussagen. Wieder ein Zitat: Ein Teil der Technik am Berg besteht darin, die richtige Übersetzung am Rad zu haben und zu benutzen. Der andere Teil besteht in Selbstkontrolle. Aber woran erkennt man, dass man die für sich richtige Übersetzung gefunden hat? Welche Kriterien kann man anwenden? Das muss der geneigte Leser leider selbst herausfinden... Zum Fahren in der Gruppe gibt es zwei magere Spalten. Die üppige Bebilderung ist in diesem Kapitel rein dekorativ, sie veranschaulicht oder unterstützt die Textaussagen nicht. Selbst ein Flyer des Bielefelder Sportbundes brachte da jüngst auf weniger Platz mehr Information. Zum Entwickeln einer Trainingsstrategie findet man ebenfalls wenig Verwertbares: So wird etwa das Intervalltraining kurz angerissen, aber dann liest man Diese Beschreibungen sind absichtlich kurz gehalten, da die Ansprüche und Belastungen jedes Trainierenden unterschiedlich ausfallen und die Intervalle auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden müssen. ... und das, lieber Leser, kannst du ja nach so ergiebiger Lektüre nun mit Leichtigkeit selbst. Fazit: Es ist abzusehen, dass dieses durchaus ansprechend aufgemachte, verlegerisch aber desaströse Werk binnen kürzester Frist für wenige Euro auf den Grabbeltischen feilgeboten wird. Lassen Sie sich nicht vom netten Äußeren verführen - lassen Sie es dort liegen. Es ist Ramsch.