
Ein wertvoller Anstoß! - Sinn und Zweck von Zen-Running ist es nicht, nur den Körper zu trainieren oder das Laufen abwechslungs-reicher zu gestalten, sondern den Sport - in diesem Fall das Laufen - zur Lebensphilosophie werden zu lassen. beschreibt Dr. G. Heidinger.Und das gelingt!
Das rennende Missverständnis - Eigentlich ist dies ein hilfreiches Buch. Allerdings hat es auch einen ziemlichen Makel. Und das ist der Titel, der auch noch als Marke urheberrechtlich geschützt wurde. Mit Zen hat Zen-Running nicht sehr viel zu tun, auch wenn im Text ein anderer Eindruck suggeriert wird. Dem Autor hat sich der Zen-Weg noch nicht wirklich aufgetan. Er hält Zen für eine Art Philosophie. Doch das ist Zen gerade nicht. Kommen wir also zunächst zum hilfreichen Teil dieses Buches. Der Autor beschreibt einige Methoden, die dazu führen, dass das Laufen noch mehr als sonst der psychischen Gesundung dient und keinen physiologischen Dauerschaden anrichtet. Man kann schließlich nicht die Augen davor verschließen, dass der Leistungsgedanke sich so tief ins Unterbewusstsein vieler Menschen gebrannt hat, dass sie selbst beim Laufen permanent an ihre Leistungsgrenzen oder über sie hinaus gehen. Sie führen einen unaufhörlichen Wettbewerb gegen andere oder gegen ihren eigenen Körper. Auch so genannte Laufpäpste, die in ihren Büchern zur Vernunft aufrufen, müssen gleichzeitig zugeben, dass sie diese Vernunft selbst nie hatten. Ein wesentlicher Grundgedanke, der sich durch das gesamte Buch zieht, ist das Loslassen dieses Leistungsgedanken. In gewisser Weise ist das Loslassen ein Teil buddhistischer Lebensweisheit. Insofern existiert tatsächliche eine gewisse allgemeine Verbindung zum Zen-Buddhismus. Das ist dann aber auch schon alles. Der Rest erweist sich als ein Missverständnis. Dazu später mehr. Ziemlich genau zu Beginn der zweiten Hälfte des Buches wird der Autor konkret. Er beschreibt acht Formen des Laufens, die das Zen-Runnig ausmachen sollen. Zunächst hätten wir da den Übungslauf. Dieser ist bitter nötig, denn für den Höhepunkt, den Kontemplationslauf, brauchen wir ein Durchhaltevermögen von mindestens zwei Stunden. Der Übungslauf ist darüber hinaus wichtig, um das tägliche Laufen überhaupt erst einmal so normal zu machen wie andere sich ständig wiederholende Vorgänge in unserem Leben. Wenn wir es dann durch Übungsläufe geschafft haben das tägliche Laufen in unserem Leben zu installieren, schlägt uns der Autor so genannte Energieläufe vor, bei denen wir uns auch einmal auspowern dürfen. Der auch mit Visualisierungen arbeitende Reinigungslauf soll uns helfen, körperliche und psychische Gifte loszuwerden. Im Meditationslauf sollen wir lernen unseren Geist zu beruhigen. Dazu empfiehlt uns der Autor, während des Laufens ein Mantra aufzusagen oder über ein Zen-Koan nachzudenken. Sehr witzig unter dem Titel Zen ist der Reflexionslauf. Hier sollen wir uns zum Beispiel ein Hörbuch mit Texten großer Geister anhören. Der Autor geht dabei vom durchaus richtigen Gedanken aus, dass Bewegung die geistige Aktivität fördert. Leider ist das aber gerade das genaue Gegenteil des Zen-Weges. Beim Krisenlauf sollen wir uns aus der Krise laufen. Das Negative soll beim Laufen von uns fallen. Schließlich bleibt noch der Kontemplationslauf. Wenn wir lange genug (siehe oben) ruhig laufen, kann es passieren, dass wir (aus welchen Gründen auch immer) plötzlich ein unerklärliches Gefühl von Glück spüren oder sich Ruhe in uns ausbreitet, so wie wir dies noch nie erlebt haben. Wahrscheinlich ist das irgendwann dem Autor widerfahren und hat zu diesem Buch geführt. An dieser Stelle gibt es eine zweite Beziehung zum Zen. Was der Autor hier beschreibt, sind Ansätze oder Vorboten dessen, was man im Zen-Buddhismus als Zustand der Erleuchtung beschreibt. Für jeden stellt sich dieser Zustand anders dar. Auch deshalb hat es keinen Sinn ihn zu hinterfragen oder mit Begriffen zu beschreiben, die dafür keinen Sinn und keine Bedeutung haben. Zen zu erklären ist einfach und schwer zugleich. Wir müssen auch nicht verstehen, was Zen ist, um auf dem Zen-Weg zu sein. Irgendwann in unserer frühen Kindheit begannen wir begrifflich zu denken. So notwenig begriffliches Denken in unserem Leben ist, so besteht doch kein Grund, es ständig und überall zu tun. Aber genau das machen wir. Leider merken wir auch die separierende Wirkung dieses Denkens nicht mehr, weil wir nichts anderes zu kennen scheinen. Begriffe sind eine Illusion, die nur in unserem Kopf existiert. Begriffliches Denken bringt auch die Illusion der Zeit hervor. In Wirklichkeit existiert weder die Zukunft noch die Vergangenheit. Es gibt nur das Jetzt. Dort befinden wir uns aber höchst selten. Unsere Gedanken wandern immer wieder in die Vergangenheit oder Zukunft. Obendrein hat sich das begriffliche Denken in uns verselbständigt. Wir sind in Wirklichkeit nicht mehr Herrscher in uns selbst. Wer das nicht glaubt, möge versuchen für wenigstens zwei Minuten nichts zu denken. Unser Verstand erfindet laufend Probleme, die wir gar nicht haben, die aber dringend durchdacht werden müssen. Im Zen geht es schlicht und einfach darum wieder die Oberhand zu erlangen und dem Verstand seinen untergeordneten Platz in uns zuzuweisen. Den Geist leer zu machen, bedeutet den Denkzwang aufzuheben, uns von der Vorherrschaft des Verstandes zu befreien. Wenn uns das gelingt, geraten wir wieder in Kontakt mit dem Universum und spüren die Einheit von allem. Die separierende Wirkung des begrifflichen Denkens ist aufgehoben, Frieden und Ruhe und Glück kehren zurück. Genau das passiert beim Kontemplationslauf wenigstens in Ansätzen. Völlig klar ist aber auch, dass die vom Autor vorgeschlagenen Reflexionen beim Laufen mit Zen nichts zu tun haben, sondern genau das Gegenteil sind. Hier wird besonders deutlich, dass der Autor Dinge in einen Topf wirft, die überhaupt nicht zusammenpassen. Der Autor erzählt, dass er früher versucht hat, durch Meditation den Zustand zu erreichen, den er bei seinen Kontemplationsläufen später erfuhr. Doch dies gelang ihm nicht. Hier haben wir den zentralen Punkt. Der Autor wollte diesen Zustand erreichen. Doch das funktioniert niemals. Im Gegenteil, je mehr wir ihn wollen, desto weiter zieht er sich zurück. Das ist die Crux beim Zen. Wir glauben etwas erreichen zu müssen, dürfen es aber nicht beabsichtigen. Wir erhalten es erst, wenn wir unsere Selbstbezogenheit aufgegeben haben, wenn wir es nicht erreichen wollen, sondern es einfach nur ohne hintergründige Absichten tun. Offenbar kommt der Läufer nach einigen Stunden in einen solchen Zustand. Und dann passiert es. Wer das alles für ziemlich bekloppt hält, der suche in seinem Gedächtnis nach einem Erlebnis, in dem man in einer Beschäftigung völlig aufgegangen war, etwas völlig konzentriert, aber auch völlig entspannt tat. Wo keine Absicht mehr vorherrscht, sondern nur Tun, dort ist der Zen-Weg. Dort leert sich der Geist, und wir geraten wieder in Einheit mit allem. Fazit.Zen-Running hat mit Zen nicht viel zu tun. Aber es lehrt loszulassen und ist obendrein noch gesund für Körper und Geist. Wer mehr über Zen erfahren will, der lese zum Beispiel Shunryu Suzukis Bücher oder Stephan Schuhmachers Taschenbuch.
Sport als Lebensphilosophie? - Der ehem. Extremsportler Günter Heidinger beschreibt im ersten Teil seines Buches Zen Running (Kneipp-Verlag, Wien 2008) Sport als seinen Lebensweg (bis zum vorläufig 44sten Lebensjahr). Vom Radfahren kam er zum Triathlon, mit einer sportbedingten späten Aufnahme seines Studiums wechselte er zum Laufen. Er wurde Lehrer, war Trainer im Nebenjob und gründete eine Familie. Doch das Laufen wurde für ihn mehr und mehr, wurde Medium zur Kontemplation und Meditation. Geschah dies zuerst ausschließlich zufällig, konnte er sich bald bewußt in diesen Status versetzen. Mit seinem Freund Werner Sallinger kreierte er darauf das Zen-Running. Mit der Frage Was ist Zen-Running? beschäft sich der zweite Teil des Buches. Beginnend mit dem philosophischen Hintergrund wird auf die ganzheitliche Sichtweise Körper, Geist und Seele Bezug genommen. Durch bewußtes, konsequentes Üben wird Zen-Running zur Möglichkeit, sich von den alltäglichen Bedürfnissen und den häufig sehr unnützen Verlockungen der Welt - zumindest für kurze Zeit - so weit zu entfernen, daß man sich den Dingen in ihrem wahren Sein zuwenden kann. Der dritte Teil beschäftigt sich mit Zen, mit Zen als einen Bewußtseinszustand zu finden, in dem man Einheit mit der letzten Wirklichkeit des Universums finden. Den Weg zu dieser Erlechtung und die Erleuchtung selbst kann mit Zen-Running gefunden werden. Mit den Techniken des Zen-Running befaßt sich der vierte Teil. Sie umfassen die verschiedenen Laufformen - vom Übungslauf über den Energie-, Reinigungs-, Meditations-, Reflexions- und Krisenlauf bis zum Kontemplationslauf - und Kombinationen davon. Der fünfte Teil widmet sich der Zen-Runner-Persönlichkeit, die man offenbar nicht leicht werden kann. Alles im allem will Zen-Running vor dem Hintergrund der Philosophie des Zen-Buddhismus einen sportlichen Weg zu einer gesunden Seele zeigen. Die erfolgt durch die Kombination von körperlicher, geistiger und seelischer Bewegung, die auch im privaten und beruflichen Alltag gute Dienste leisten soll. Für normale Läufer ist allerdings sowohl der theoretische Background als auch die praktische Umsetzung nicht so leicht umzusetzen, wie das Buch gelesen werden kann.
Es funktioniert - Nach 4jähriger Laufpause dachte ich mir ich beginn mal mit dem Reinigungslauf - allzu große Erwartungen hatte ich nicht! Ich hatte immer noch diesen Wettkampgedanken in mir - ich krieg sicher Seitenstechen, es wird sicher hart, phh langsamlaufen-da kann ichs ja gleich lassen usw.! Aber bitte, ich nahm mir fest vor, ganz langsam zu beginnen und mir sowie es Dr.G. Heidinger beschrieben hatte, beim Ausatmen ans Loslassen und Reinigen zu denken! In 4 jahren sammelt sich ja doch einiges an! Und Leute ich sage euch bzw. schreibe euch - es war ein ultimatives suuuuppppercooles Wieder-In Erlebnis! Ich habe das langsame Tempo genossen, das Loslassen, die Natur, hab meine Lungen angenehm gespürt, meine leicht schwitzende Haut wahrgenommen und die Endopherine schwuppsten nur so heraus - nach 30 Min. war ich total glücklich und stolz, lachte über das ganze Gesicht und fühlte mich sowas von gereinigt, dass ich nicht mal duschen gehen wollte! Es war ein wirklich toller Start - und ich werde sicher jeden einzelnen beschriebenen Lauf ausprobieren! Jawohl - ich hab immer gewußt das es auch anderes geht, ich wußte nur nicht genau wie ich den Einstieg wieder finden werde und dann kam Zen! Und ich bin überglücklich Zen-Runner zu sein! Ich empfehle wirklich jeden sich auf dieses Abenteuer, auf diese Lebensphilosophie einzulassen